Agathe Snow, All Access World, installation shot, Deutsche Guggenheim 2011. Photo: Mathias Schormann. © Agathe Snow, Deutsche Guggenheim
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Agathe Snow, A Walk to Remember, Berlin, January 29, 2011. Photo: © Nina Straßgütl
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Agathe Snow, A Walk to Remember, Berlin, January 29, 2011. Photo: © Nina Straßgütl
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Agathe Snow, A Walk to Remember, Berlin, January 29, 2011. Photo: © Nina Straßgütl
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Agathe Snow, A Walk to Remember, Berlin, January 29, 2011. Photo: © Nina Straßgütl
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Agathe Snow, All Access World, installation shot, Deutsche Guggenheim 2011. Photo: Mathias Schormann. © Agathe Snow, Deutsche Guggenheim
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Agathe Snow, All Access World, installation shot, Deutsche Guggenheim 2011. Photo: Mathias Schormann. © Agathe Snow, Deutsche Guggenheim
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Agathe Snow, All Access World, installation shot, Deutsche Guggenheim 2011. Photo: Mathias Schormann. © Agathe Snow, Deutsche Guggenheim
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Agathe Snow, Arc de Triomphe, 2010. Collage for the catalogue 'All Access World'. Photo: Kris McKay. © Agathe Snow
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Agathe Snow, Berlin 2010, Photo: David Oliveira. © David Oliveira
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Agathe Snow, Coliseum/ Sydney Opera House/ Guggenheim, 2010. Collage for the catalogue 'All Access World'. Photo: Kris McKay. © Agathe Snow
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Agathe Snow, Walls, 2010. Collage for the catalogue 'All Access World'. Photo: Kris McKay. © Agathe Snow
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Agathe Snow, Tower of Pisa, 2010. Collage for the catalogue 'All Access World'. Photo: Kris McKay. © Agathe Snow
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Agathe Snow, Gateway Arch, 2010. Collage for the catalogue 'All Access World'. Photo: Kris McKay. © Agathe Snow
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Agathe Snow, Twenty-Four (Yellow Brick Road), 2007. © Peres Projects, Berlin
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Agathe Snow, Stamina: Gloria et Patria, 2008. Installation view: 2008 Whitney Biennial Exhibition, Park Avenue Armory, New York, March 2008. Photo: Alex Brown Photography. © James Fuentes LLC, New York
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On a clear day you can see forever: Das Brandenburger Tor im Rücken intoniert ein junger Mann den sehnsüchtigen Song aus dem gleichnamigen Vincente-Minnelli-Film. Er gehört zu einer absurd anmutenden Prozession, die durch die klirrend kalte Berliner Nacht zieht. Kinder tragen Leuchtstäbe um den Hals, ein älterer Mann mit langen grauen Haaren führt ein schwarzes Maultier und zwei Hunde neben sich her. Ein Kamerateam und Fotografen kreisen um die Gruppe, die gemeinsam mit Agathe Snow Unter den Linden flaniert und dabei rosafarbene Schottersteinchen auf dem Bürgersteig verstreut. Ziel der Prozession ist das Deutsche Guggenheim, wo Snows Installation All Access World zu sehen ist.
Es ist die Lange Nacht der Museen. Besucher strömen in die Ausstellungshalle, die wirkt wie eine Mischung aus Theaterfundus, Skulpturenpark und begehbarer Collage. In Snows Ausstellung verbinden sich biografische Anspielungen, Momentaufnahmen, Szenen von Freundschaft, Abschied, privatem Glück, mit dem ganz Großen, Monumentalen. Für ihre Ausstellung ist die in New York lebende Korsin monatelang um die Welt gereist, zu Nationaldenkmälern und Wahrzeichen, die Millionen von Menschen etwas bedeuten: das Lincoln Memorial in Washington etwa, der Rote Platz in Moskau, die Pyramiden von Gizeh. Aus den Eindrücken und Recherchen dieser Reise, aus unzähligen Interviews, Texten und Skizzen entstand All Access World, der Shop oder Showroom einer fiktiven Firma, in der nur ein Produkt beworben wird: eine freie Gesellschaft von Weltbürgern, ohne Grenzen, Hierarchien und Nationalismus.
Natürlich ist Snow Gründerin und CEO dieses Unternehmens, von dem sie in ihrem Willkommensgruß schreibt: "Vielleicht wissen Sie bereits […] , dass wir berühmte und bekannte, mögliche und gefragte Monumente erzeugen, verkaufen und erträumen, dass wir für Nutzloses Verwendung finden und Unpraktisches praktizieren, […], dass die Welt für uns ein Ort ist, wo man Formen und Wunder sammeln kann, um sie in Serie zu produzieren und zu vermarkten, ein allgemein zugänglicher Ort, wo jeder Eigentum erwerben und frei wählen kann…" In ihrer Ausstellung ist Snow eine imaginäre Dienstleisterin, die mit ihrer Firma All Access World Monumente aus aller Welt quasi auf Bestellung neu entwirft, erträumt und zusammenbaut – "auch in Rosa, mit Rädern, oder zum Zusammenklappen."
Zugleich geht die Künstlerin mit gutem Beispiel voran und stellt ihre eigene Welt zur Verfügung. Wer mag, kann ihre fantastischen Monumente im Deutsche Guggenheim auf einer gigantischen Landkarte verschieben, aktiv teilnehmen an diesem gigantischen Umbau dieser Welt. Eiffelturm, Stonehenge oder das Kolosseum verschmelzen hier mit der Skyline von New York und der Internationalen Raumstation ISS. Während ihrer ausgedehnten Recherchereisen zu Wahrzeichen auf der ganzen Welt erkannte Snow, dass sich ihre Motive auch als überhöhte skulpturale Objekte betrachten lassen, die sich häufig aus geometrischen Formen wie Pyramiden, Kuppeln und Säulen zusammensetzen. Diese archetypischen Elemente kehren in ihren farbig leuchtenden Assemblagen wieder, die sich aus Haushaltsgegenständen, einfachen Materialien oder auf der Straße aufgelesenen Fundstücken zusammensetzen. Die mobilen, verspielten Monumente besitzen, anders als ihre Vorbilder, keine festgeschriebene historische Bedeutung.
Auf riesigen Wandcollagen sieht man immer wieder Snow selbst, wie eine Wanderin durch Zeit- und Kulturgeschichte. Titel der New York Post künden vom Tode Michael Jacksons, das World Trade Center ragt in den Himmel, Lincoln blickt steinern von seinem Sockel, unzählige Supermodels formieren sich zu Clustern. Bildern kollektiver Geschichte stellt Snow ihre eigene Geschichte entgegen, in der persönliche Ereignisse historische Dimension und Kraft haben, die Welt auf den Kopf zu stellen. Snow errichtet diesen Momenten und Begegnungen Denkmäler. Auf einer ihrer Skulpturen zieren die Bögen des gelben McDonald’s Logos den Arc de Triomphe – das Ergebnis ihres ersten romantischen Erlebnisses, wie sie im Katalog vermerkt: "Triumph in Paris. Mein erster Kuss auf dem Dach des Triumphbogens. Mehr als ein flüchtiger Lippenkontakt. Ich stand auf dem Dach der Welt, über dem unbekannten Soldaten, stilles Opfer, kichernd, zehn und schüchtern, ergriffen und so glücklich wie noch nie. Auch das erste Mal bei McDonald’s. Was für ein Tag!" Der Moment verdichtet sich bei Snow zur Gefühlsarchitektur.
All Access World ist die 16. Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim. Die 1997 von der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation initiierte Reihe ermöglicht zeitgenössischen Künstlern die Realisierung aufwendiger Projekte. Neben etablierten Positionen wie Anish Kapoor oder Gerhard Richter liegt ein besonderer Fokus auf Vertretern der jungen amerikanischen Gegenwartskunst. So präsentierte das Deutsche Guggenheim etwa Phoebe Washburns "Grasfabrik" Regulated Fool’s Milk Meadow (2007).
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Die Auseinandersetzung mit den Themen Grenzen, Gemeinschaft und Austausch durchzieht das gesamte Werk der 1976 auf Korsika geborenen Künstlerin, die im Alter von 11 Jahren mit ihrer Mutter nach New York übersiedelte. Zu ihren frühen partizipatorischen Arbeiten zählen Tanzmarathons, die 2005 in einem besetzten Haus in unmittelbarer Nähe zu Ground Zero stattfanden: In ihrer Verbindung von Ausschweifung, Glück, Aggression und Hysterie spiegelten sie die psychische Verfassung der Stadt nach 9/11. Sie organisierte auch eine Reihe von konzeptuellen Dinnern in Treppenhäusern oder auf Balkonen – flüchtige Interventionen, die keine Spuren hinterließen. Diese Arbeiten lassen sich als Versuch verstehen, sich als "Fremde" temporäre Formen eines Zuhauses oder einer Familie zu schaffen.
In den frühen 2000ern war Snow Teil einer jungen, unangepassten Kunstclique, zu der neben Dan Colen und Ryan McGinley – beide inzwischen ebenfalls international erfolgreich – auch ihr jung verstorbener Ex-Ehemann Dash Snow gehörte. Diese sich selbst als Außenseiter stilisierende Szene schuf provokante Werke, die von einem selbstzerstörerischen Lebensstil und der Stimmung in einer von 9/11 traumatisierten Stadt geprägt sind. Doch Snows Werk unterschied sich maßgeblich von dem ihrer männlichen Freunde. Im Gegensatz zu deren maskulinen Nihilismus ging es ihr von Beginn an um Gefühle von Erlösung und Gemeinschaft. In seinem Portät der Künstlerin für das Deutsche Guggenheim Magazine spricht Christopher Bollen von ihrem "postapokalyptischen Optimismus" – und dieses Gefühl, dieser Optimismus trotz aller Widrigkeiten, kennzeichnet auch Snows Arbeit für das Deutsche Guggenheim.
A.D.
Agathe Snow: All Access World
Deutsche Guggenheim, Berlin
28. Januar bis 30. März 2011
My Monument
Für All Access World haben Agathe Snow und ihr Team Menschen rund um den Globus zu den Denkmälern interviewt, die ihnen am wichtigsten sind. Anlässlich der aktuellen Ausstellung startet das Deutsche Guggenheim die Online-Kampagne My Monument. Auf den museumseigenen Seiten bei Facebook und Flickr können Sie ein Foto des Monumentes einstellen, das Ihnen am meisten bedeutet und es auch kommentieren: sei dies eine Skulptur, ein Platz oder ein Gebäude. Unter den Einsendungen werden Preise verlost, darunter Bücher, Filme und als Hauptgewinn ein eigens für Sie zusammengestellter Berlin-Trip. Die eingereichten Fotos werden außerdem auf der Deutsche Guggenheim Webseite präsentiert.
Facebook: facebook.com/DeutscheGuggenheim
Flickr: flickr.com/groups/mymonument
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